Helden haben's schwer

 

An das Leben als Superheld hatte er sich gewöhnt, nur die plötzlichen Einsätze fand er extrem nervig. Eben noch saß er mit seiner Mutter gemütlich am Kaffeetisch, der Heldennotruf piepte, und er sauste per Super-Beam direkt an den Ort des Geschehens. Die Zeiten des aufwendigen Kleiderwechselns und der Anfahrten per Supergefährt waren vorbei - seine Kleidung wandelte sich während des Beamens automatisch in das knallenge Super-Sören-Kostüm.
Nach dem Beam stand er mitten in einem Schlafzimmer, das auf jeden Fall einer Frau gehörte, bei all dem grässlichen Rosa.
"Wer sind Sie? Oh!" Ihre kornblumenblauen Augen streiften das Heldenkostüm und dann sein Gesicht.
Schimmernde Tränen liefen über die Wangen und erinnerten ihn daran, dass er eine Aufgabe zu erfüllen hatte. Er schielte auf das kleine Gerät am Gürtel, das die Not und Verzweiflung des Opfers maß - extremer Ausschlag! "Werden Sie bedroht? Hat man Ihnen weh getan?"
"Nein, ich bin nur so verzweifelt." Sie strich sich das blonde Haar aus dem Gesicht und schaute etwas misstrauisch zu ihm auf. "Und Sie sind wirklich ein Superheld?" Als er feierlich nickte, senkte sie zweifelnd ihren Blick. "Und was ist das?"
Peinlich berührt musste er feststellen, dass er noch immer Mutters Tortenheber in der Hand hielt. "Ähm, eine neuartige Waffe. Für Notfälle." Er schob das Ding hastig hinter seinen Gürtel. "Also, was ist los?"
Ihre Lippen bebten, als sie ihm ein Nichts aus Stoff entgegenhielt. Er nahm es ihr ab, entfaltete einen Hauch von Negligé. Das Kopfkino sprang an, und er reichte es rasch zurück, bevor ihm das Superhelden-Outfit zu eng werden konnte.
"Okay, wo ist das Problem? Sind hier Monster-Motten unterwegs?" Er lachte nervös, aber die Blondine runzelte die Stirn.
"Nein! Ich habe keine Ahnung, wie ich es waschen soll!"
"Wie bitte?" Er starrte sie an. "Sehe ich aus wie der Weiße Riese? Nebenan gibt’s einen Waschsalon - gehen Sie einfach rüber!"
"Da konnte mir niemand helfen! Es ist mein Lieblingsstück, so angenehm auf der Haut ..."
"Ja, ja", so genau wollte er das gar nicht wissen. Hier mussten besondere Superkräfte her, und er wusste jemanden, der dafür in Frage kam. "Ich bringe Sie jetzt zu einem Spezialisten für Stoffe aller Art. Glauben Sie mir, wer ein Helden-Outfit erschafft, der kann auch so etwas ohne Probleme reinigen."
Ihr strahlendes Lächeln belohnte ihn für diese Heldenidee.

 

© 2016 Anathea DellEste

Entwickelt als DWG (Drei-Wörter-Geschichte)

Umfang: ca. 2.400 Zeichen / Wörter: Waschsalon - Superheld - Tortenheber