Wer hat Angst...?

 

Fröstelnd ging ich durch die kalte Nacht, um mich mit Ben zu treffen. 'Du bist mein bester Freund. Ich brauche deine Hilfe', war alles, was er am Telefon gesagt hatte. Das war so ungewöhnlich, dass ich sofort loszog, um ihn zu sehen. Ich sah ihn von weitem neben dem Zigarettenautomaten vor der Eckkneipe stehen, in der wir uns regelmäßig trafen.

"Was ist los, Mann? Du hast mich erschreckt." Ben sah bleich und übernächtigt aus. Immer wieder schaute er sich nervös um. "Jetzt sag schon! Bist du in Schwierigkeiten?"

Er schüttelte den Kopf. "Leo, ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Es ist, als würde ich den Verstand verlieren. Du wirst denken, dass ich völlig durchgeknallt bin."

"Komm schon. Du weißt, dass du mir vertrauen kannst."

"Irgendetwas lebt in meiner Wohnung. Unterm Bett. Ich höre es jede Nacht!" Ben starrte mich an. "Und? Wie hört sich das für dich an? Dem Wahnsinn nahe, oder?!"

"Ähm." Mehr fiel mir ehrlich gesagt nicht dazu ein.

"Es fällt mir irre schwer, das jetzt zu fragen, aber könntest du bei mir übernachten? Ich muss herausfinden, ob ich spinne." Er sah so unglücklich aus, dass mir keine andere Wahl blieb, als zu nicken.

 

In seiner Wohnung angekommen gingen wir bei einem Bier erst einmal alle Möglichkeiten durch, die für die nächtliche Unruhe in Frage kommen konnten. Mäuse, Geräusche aus den Nachbarwohnungen? Etliche Flaschen später machten wir uns einen Spaß daraus, den 'Geist' auszutreiben. Wir klopften mit Löffeln auf Töpfe, gingen grölend durch jeden Raum, bis der Nachbar Sturm klingelte und mit der Polizei drohte. Kichernd verzogen wir uns mit einem Biervorrat in sein Schlafzimmer, um im Dunkeln auf verdächtige Laute zu lauschen.

"Erinnerst du dich noch an die Geschichten vom 'Schwarzen Mann', die uns deine Oma immer erzählt hat?"

Ich nickte. "Ich hatte damals wochenlang Alpträume."

Wir lachten, quatschten über alte Erinnerungen, bis Ben einschlief. Vom Alkohol beflügelt nutzte ich die Zeit, um dem eingebildeten Störenfried die Leviten zu lesen. "Und du lässt gefälligst Ben in Ruhe, sonst wirst du mich kennenlernen. Dann setzt es einen Tritt in deinen Schwarzen-Mann-Hintern."

Am nächsten Tag rief Ben an, um sich zu bedanken. "Es hat also doch an mir gelegen. Es gibt keine Geräusche mehr."

 

Heute mitten in der Nacht rüttelte mich meine Freundin Jenny unsanft aus dem Schlaf. "Leo, wach auf. Da ist etwas unter unserem Bett!"

 

© 2016 Anathea DellEste

Entwickelt als DWG (Drei-Wörter-Geschichte)

Umfang: ca. 2.400 Zeichen / Wörter: Unterm Bett - beste(r) Freund(in) - Zigarettenautomat