Camp NaNoWriMo Juli 2018

Nach den tollen Erfahrungen im November und April war die Vorfreude auf das Juli-Camp enorm. Am Ende hielt sich die Inspiration allerdings leider in Grenzen, was in erster Linie an der brütenden Hitze lag, die die Kreativität jämmerlich dahinschmelzen ließ. Dann hatten wir ein paar Neulinge im ›Zelt‹, die mit unserer kreativen Nebengeschichte nichts anfangen konnten, was zu unschönen Szenen und Austritten führte. Und zu guter Letzt war es keine gute Idee gewesen, mehrere kleine Projekte für diesen Monat zu planen - ein echter Schreib-Flow wollte sich einfach nicht einstellen.

 

Leseprobe aus 'Die kleine Magierin'

 

Sie saß am Fenster und starrte hinaus, ohne etwas wahrzunehmen. Der abendliche Zaubertrunk blubberte auf dem alten Herd, verbreitete den Duft von Kaffee, gemischt mit Vanille, Zimt und Chili, aber das interessierte sie nicht. Was dem Kochtopf langsam Sorgen bereitete! Sein recht beuliges Äußeres wechselte vor Verlegenheit ständig die Farbe, aufmerksam beobachtet von Lala und Griff. Bis Lala sich nicht mehr zurückhalten konnte. Mit dem besonderen Selbstbewusstsein, das nur Katzen zu eigen ist, sprang sie auf die Fensterbank, direkt vor die Nase der kleinen Magierin.
„Was bedrückt dich?“, schnurrte sie, schaute ihrem Gegenüber tief in die Augen, um sich dann an die kleine Magierin zu schmiegen.
Mit einem ‚Schuhu‘ gab Griff zu erkennen, dass auch er auf Antwort wartete. Und niemand verweigert einem notorisch übellaunigen Kauz das Gewünschte, denn es gibt nichts Schlimmeres, als so ein durchdringender Eulenblick, der einen durchbohrt.
Die kleine Magierin seufzte. „Die Kinder haben ihre eigene Magie verloren“, murmelte sie, bevor sie wieder in tiefes Schweigen verfiel. Ein noch lauteres ‚Schuhu‘ machte ihr klar, dass weitere Erklärungen gefordert wurden.
„Wenn ich euch bitte, euch eine Maus vorzustellen, könnt ihr das?“, fragte sie die gespannten Zuhörer.
„Sicher“, mauzte Lala und dachte an eine zarte Maus mit rötlich-braunem Fell, die flink durch das frühlingsgrüne Gras flitze.
„Sicher“, fiepte Griff. Er reckte den Kopf kerzengerade in die Höhe und stellte sich vor, wie er über den frisch gepflügten Acker glitt, um die dicke, behäbige Wühlmaus mit dem kurzen Schwänzchen aufzuspüren.
„Ja, genau“, nickte die kleine Magierin, die sich sogar beide Mäuslein gleichzeitig vorstellen konnte. „Aber die Kinder der Zauberschule können das nicht mehr. Sie schauen nur auf bunte Bilder, Spiele oder Filme, die andere erfinden. Dabei könnten sie selbst malen, Spiele und Geschichten erschaffen. Was kann ich nur tun?“
„Zauber sie einfach wech!“, zischte Griff.
Mit großen Augen sah die kleine Magierin ihn an. „Die Idee ist gar nicht mal übel, denn wenn die Ablenkung nicht wäre…“
„Nich die Spiele. Zauber gleich die Kinder wech.“ Der Kauz drehte den Kopf von einer Seite zur anderen. „Kinder wech, Problem wech“, konstatierte er zufrieden. Den empörten Blick der kleinen Magierin ignorierte er ganz selbstverständlich.

 

Leseprobe aus 'Der letzte Akt'

 

Es war eine düstere Novembernacht und ich war allein im Haus. Der Hund hatte schon ein paar Mal angeschlagen, als er gegen Mitternacht endlich Ruhe gab. Ich wälzte mich noch eine Weile hin und her, hörte das alte Haus ächzen und knarren und war gerade eingeschlafen, als ich spürte, dass es ganz hell im Zimmer geworden war. Ich öffnete die Augen und sah, dass das Licht von außen durch das Hologramm zu dringen schien.
„Zeta, testest du eine neue Simulation?“
Es dauerte einen Moment, bis sich die Hüterin der Station meldete. „Negativ. Wir haben Besuch.“ Ein kurzes Flimmern, dann verschwand die Illusion, mit der ich mir an diesem Tag die Zeit vertrieben hatte; das gemütliche Schlafzimmer im alten Holzhaus ebenso wie das Hologramm meines treuen Wachhundes. Einst hatte er wirklich mit unzähligen Artgenossen virtuell über die Station gewacht, doch jetzt war er, genau wie ich, der Letzte seiner Art, diente mir nur noch als Trost in dieser leblosen Welt. Danach würde es nur noch Zeta geben…

 

Leseprobe aus 'Kein Entrinnen'

 

„Du findest ihn wirklich nicht komisch? Also irgendwie bedrohlich?“ Mira hörte selbst, dass sich ihre Fragen albern anhörten, aber sie wollte von jemand anderem bestätigt bekommen, dass es keinen Grund zur Sorge gab.
„Um Himmelswillen, Mi! Es ist doch nur ein alter Baum.“ Mit einem Achselzucken wandte sich Linda ab und bewunderte die riesigen Sonnenblumen, die sich selbst rund um das Futterhaus für die Vögel angesiedelte hatten. „Dein Garten ist wundervoll, und ich finde, das alte Schätzchen gibt dem Ganzen noch mehr Flair. Sieht doch aus wie ein verwunschener Platz, an dem sich in finstrer Nacht allerlei scheue Wesen treffen.“ Sie zwinkerte ihrer Freundin zu. „Komm, lass uns wieder reingehen. Ich habe jetzt echten Heißhunger auf die Waffeln, mit denen du mich in dein neues Zuhause gelockt hast.“
„Habe ich wirklich zugesagt, dass bei mir etwas Essbares auf den Tisch kommt?“ Mira grinste und hakte sich bei Linda ein. „Dann lass uns mal nachschauen.“
Kichernd folgten sie dem Kiesweg in Richtung Haus, aber Mira konnte sich einen letzten Blick auf den Baum im hinteren Teil des Gartens nicht verkneifen. Irgendetwas stimmt nicht mir dir, da bin ich mir ganz sicher. Sie schloss die Vorhänge, wollte ausschließen, dass dieser Abend mit ihrer Freundin in irgendeiner Weise getrübt werden konnte.

Das ungute Gefühl verließ Mira nicht, auch wenn Lindas unbeschwerte Reaktion das Unbehagen für eine Weile gedämpft hatte. Als ihr das alte Haus angeboten worden war, hatte sie sich Hals über Kopf darin verliebt, und der Garten mit seinen Obstbäumen und großzügigen Blumenstauden kam ihr wie eine grüne Oase vor. Sie war mehrfach da gewesen, hatte diversen Handwerkern Anweisungen gegeben, war zufrieden durch den Garten gewandelt, überprüfte die Fortschritte des Umbaus. Doch dieser Baum fiel ihr erst am Morgen nach ihrem Einzug auf. Sie hatte die Verandatüren weit geöffnet, um die Aussicht zu genießen, und plötzlich stand er dort, war ganz und gar nicht zu übersehen.
„Hach, der ist scheußlich, oder? Das ganze Dorf hat Angst vor ihm.“ Mit einem leisen Aufschrei fuhr Mira herum und erschreckte damit ihrerseits die Putzfrau, die zurückwich und sich die Hand aufs Herz hielt.“Tschuldigung, ich dachte, Sie hätten mich kommen hören. Aber wissen Sie, der olle Baum macht mit der Zeit alle verrückt…, ich meine, nervös, wissen Sie.“
Vielleicht hätte Mira sich nach und nach an das düstere Aussehen des Baumes gewöhnen können. Knorrig verdreht mit nur wenigen Blättern war er nun einmal keine Schönheit, doch ständig wurde sie von anderen Dorfbewohnern auf dieses Ungetüm angesprochen. Mal wurde ihr Mut gelobt, mal ihr Durchhaltevermögen, dann war es wieder eine mysteriöse Andeutung, die auf schlimme Vorgänge hinwies, über die aber niemand reden mochte.

 

** all to be continued **

 © 2018 Anathea DellEste